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Bergwandern

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Wir haben ja in Santa Rosa mittlerweile guten Anschluß gefunden. Es ist wie eine kleine deutsche Kolonie, die wir haben. Alles junge Leute, die mal für ne Zeit nach Paraguay gezogen sind und hier leben. Da wird natürlich auch viel gemeinsam unternommen und so haben wir uns zu neunt zusammen getan und beschlossen eine „kleine Bergtour“ zu machen. Da Paraguay insgesamt ja eher flach ist, ist der Begriff „Berg“ natürlich relativ. Und „Tour“ ist wahrscheinlich auch nicht ganz richtig. Der „Berg“ war eher ein Felsen und die Tour könnte man als „pfadfinden“ bezeichnen. Aber es war sehr cool.

Wir sind also zunächst von Santa Rosa nach Yby Yau (sprich: ibi d’scha-u) gefahren. Ein Städtchen, ca. 120 km entfernt. Von dort aus sind es noch ein paar Kilometer bis zu dem Felsen, dessen Name ich leider nicht weiß, wenn er überhaupt einen hat.

Erstaunlich, wie sich da mitten aus dem Nichts plötzlich so ein Stück Stein erhebt. Ein bisschen erinnert es vielleicht an den großen Ayers Rock in Australien, aber dann doch eben nur die Mini-Mini Version davon.

Da nirgendwo ein Wegweiser zum Felsen zu finden war, versuchten wir über einen Feldweg etwas näher ran zu kommen. Na ja, Versuch eben. An einem Häuschen haben wir dann gefragt, ob wir unsere Fahrzeuge im Schatten abstellen dürften – was uns auch gewährt wurde – und ob die Leute wüssten, wie man auf den Berg kommt. Schulterzucken und das Deuten über die Fleder sollte uns sagen: einfach mal querfeldein und dann weiterschauen. OK, über das Feld und die Kuhweide, dann kam der fiese Teil mit Kletten, Disteln und Dornen, dann durch ein Palmenwäldchen bis wir endlich vor dem Felsbrocken standen. Und so klein sah er dann gar nicht mehr aus. Wege gab es übrigens gar keine. Nicht mal Trampelpfade, allenfalls Spuren, dass schon mal jemand da war.
Also begannen wir den Aufstieg durch Sträucher und Gestrüpp. Auf erdig, steinigem Boden. Immer aufwärts, Richtung Gipfel. Doch irgendwann gings ins Klettern über und einfach nicht mehr weiter. Also Kommando zurück und einen neuen Weg suchen. Da gings schon ein Stück weiter rauf, aber immernoch nicht ganz hoch.

Zwischendurch sind wir dann noch an einer Klapperschlange vorbei. Die leben hier und man sollte da übrigens etwas aufpassen, denn die können recht ungemütlich werden. Wir haben sie glücklicherweise rechtzeitig entdeckt und konnten einen guten Bogen um sie machen.
Beim dritten Versuch den Berg zu erklimmen, hab ich dann keine Lust mehr gehabt und mit drei weiteren der Gruppe beschlossen unten zu warten, bis die übrigen ihre Abenteuerlust gestillt hatten.

So saßen wir eine ganze Zeit am Fuße des Hügels und haben die Aussicht genossen. Land, so weit das Auge reicht. Beeindruckend.

BILDER vom Trip gibt’s HIER

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Auf dem Amt

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Um sich in Papguay freier bewegen zu können und nicht mehr auf den Bus angewiesen zu sein, braucht man eine parguayische „Fahrerlaubnis“. Es reicht also nicht aus mit einem deutschen oder gar einem internationalen Führerschein zu kommen, nein, man muss sich eine extra Lizenz ausstellen lassen.
Dazu muss man zunächst mal in einem kleinen Labor seine Blutgruppe untersuchen und bestimmen lassen, damit dann zum Amt marschieren und sich dort sein Dokument ausstellen lassen.
Und das funktioniert so: Man betritt ein Büro, in dem schon mehrere andere Anwärter stehen und darauf warten, bedient zu werden. Also nichts mit Diskretion oder Wartezimmer, Nummer ziehen, oder aufgerufen werden. Einfach mal reingehen. Hinter dem Schreibtisch sitzen dann drei (!!!) „Beamte“, die bei landestypischer Musik ganz tranquilo ihre Kunden abarbeiten. Dabei ist einer für die Datenerfassung zuständig, einer fürs Ausdrucken der Dokumente und der Dritte schneidet die Papiere dann fein säuberlich mit der Schere aus und zu.

Als wir dann letztendlich an der Reihe waren und unsere Daten aufgenommen waren, kommt einer der drei zu uns rüber, stellt uns an die Wand und zückt sein Handy, macht von jedem von uns ein Bild und das kam dann in den Führerschein.

Interessanterweise wird hier gar nicht nach irgendeiner Befähigung gefragt, ob man überhaupt fahren kann. Es gibt hier keine Fahrschulen oder dergleichen. Man geht davon aus, dass wenn man sich einen Führerschein kauft, auch fahren kann.

Wir sind nun also im Besitz einer paraguayischen Fahrerlaubnis. Und weil wir schon da waren und uns den Führerschein fürs Auto haben ausstellen lassen, haben wir auch gleich die Pappe fürs Motorrad mit gekauft. Insgesamt hat der Spaß pro Nase ca. 25.- Euro gekostet. Gut oder?

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Mülltrennung und anderes…

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Viele Dinge funktionieren in Paraguay etwas anders als in Deutschland.
So haben wir hier in unserem Häuschen zum Beispiel keine Fensterscheiben. Nur Fensterläden außen und ein Holzrahmen mit Moskitonetz innen. (Schließlich noch ein verschraubtes Stahlgitter um die Einbrecher und Diebe fern zu halten.) Da wir hier nun Herbst haben, werden die Temperaturen in der Nacht doch deutlich kühler, so dass wir froh sind, dass wir unsere warm gebenden Schlafsäcke dabei haben.

Strom haben wir eigentlich immer, auch wenn das Licht ab und an mal etwas flackert und nicht die ganze Leuchtkraft abgibt.
Ähnlich ist es mit dem Wasser. Es gibt immer welches, aber je nach Tageszeit ist der Wasserdruck stärker oder schwächer. (Meistens ist er eher schwächer ;-).)

Warmwasser gibt es lediglich in der Dusche. Und wie das warm gemacht wird will ich eigentlich gar nicht wissen. Vom Duschkopf gehen zwei Kabel in die Decke, zweimal fachmännisch verlängert und mit Isolierband verklebt. Am Duschkopf selbst ist ein Schalter mit drei Positionen: mittel – kalt – warm.

Bevor man das Wasser andreht muss man den Schalter auf den gewünschten Wärmegrad stellen, denn sobald das Wasser läuft sollte man den Duschkopf nicht mehr anfassen, sonst bekommt man eine gewischt.

Auch an die Toilette muss man sich erst etwas gewöhnen bzw. daran, dass man sein Papier „hinterher“ nicht mit in die Schüssel werfen darf, weil man sonst das Rohr verstopft, sondern in einen kleinen Eimer neben dem Klo.

Schön ist, dass man auch in Santa Rosa Mülltrennung betreibt. Doch unter Mülltrennung versteht man hier ein bisschen was anderes als in Deutschland. Hier trennt man in drei Kategorien: Bio – brennbar – nicht brennbar
Bio ist klar: Organisches, Essensreste und -abfälle. Ist das Schälchen voll bringt man es hinters Haus und wirft es in ein großes Loch. (Da wachsen in der Zwischenzeit Kürbisse und ein Papayabaum raus.)
Nicht brennbar ist lediglich Glas und Metall. Flaschen, Alu und Dosen. Wir sammeln es hier in einem extra Eimer, wie es letztendlich entsorgt wird, weiß ich noch nicht.
Alles andere ist brennbar! Kunststoffe und Plastik, Tetrapacks, Papier, so auch das Papier, das neben dem Klo in dem Eimer ist. Alle zwei bis drei Tage geht man dann hinter das Haus, wo auch die „Kompostgrube“ ist und macht ein kleines Feuerchen. So einfach und unkompliziert geht das hier mit der Müllentsorgung :-).

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Unser neues Heim

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In Santa Rosa angekommen wurde ich an der Cruze – so heißt hier die Schnellstraße an der der Bus einfach kurz hält und einen aussteigen lässt – von Andrea mit dem Auto abgeholt. Mit ihm werden wir die nächsten Wochen das Haus teilen. Andrea ist ein Münchner mit italienischen Wurzeln, der seit einiger Zeit in Paraguay ist. Hier lernt er per Skype mit und von seiner brasilianischen Freundin (sie ist in Sao Paulo) portugisisch. Und das auf spanisch. Alles klar?

Santa Rosa ist wieder eine etwas größereStadt, im Vergleich zu Asunción aber winzig. Hier geht eigentlich nur eine (geteerte) Straße durch. Alles, was sonst von der Cruze abgeht, sind rote Sandpisten. Das ist eine recht staubige Angelegenheit. Und wenn hier am Abend die Sonne untergeht kommt man sich vor wie Django im Wilden Weste(r)n: sehr cool :-).

Wir fuhren also „nach Hause“. Hier bewohnen wir nun ein kleines, bescheidenes Häuschen. Aber eigener Garten drumrum. Eine Bananenpalme die bald reife Früchte trägt und jeden Abend einen wunderschönen Sonnenuntergang.
Das Haus selber erinnert mich an meine WG-Zeiten als Student. Doch es hat alles was man braucht: kleine Küche mit Essecke, kleines Bad, jeder sein eigenes Zimmer, eine überdachte, schattige Terasse zum draußen sitzen und Internetanschluss.
Der nächste Supermarkt ist in ca. 10 Minuten zu Fuß zu erreichen. Was will man mehr? Von hier aus werden Natascha und ich nun in nächster Zeit unsere Erkundungstouren machen.

Am Freitag bin ich übrigens wieder mit dem Bus zurück nach Asunción gefahren, um Natascha und unser übriges Gepäck nach Santa Rosa zu holen. In der Zwischenzeit sind wir also wieder beisammen, hier in Santa Rosa. Und es fühlt sich gut an… :-)!

Mehr NEUE BILDER gibt’s HIER!

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Nach Santa Rosa

Palmenwald

So, zunächst mal dankt Natascha für die vielen lieben gute Besserungswünsche. Sie hat sich mittlerweile etwas erholt, auch wenn sie noch immer nicht ganz gesund ist. Am Mittwoch bin ich daher erst mal allein nach Santa Rosa gefahren, wo wir ja bereits von Freunden erwartet wurden. So konnte ich einen guten Teil unserers Gepäcks schon mal dort abliefern.Natascha fühlte sich noch nicht wirklich transportfähig, wollte aber auch nicht, dass ich nur dasitze, die Zeit totschlage und Händchen halte. Und ehrlich gesagt, langsam aber sicher wär mir auch die Decke auf den Kopf gefallen und so machte ich schon mal auf den Weg

Santa Rosa liegt ca. 4,5 Busstunden nördlich von Asunción. Die Strecke habe ich in einem konfortablen Reisebus zurück gelegt. Voll klimatisiert. Angenehme Sitze. Ordentliche Beinfreiheit und während der ganzen Fahrt Eddie Murphy Filme auf dem Bordfernseher. (Komisch: der spricht hier spanisch 😉 ?!)
Die Fahrt hat 50.000 Guaranies gekostet, was umgerechnet nicht ganz 10.- Euro entspricht.

Nachdem wir dann doch zwei Wochen in Asunción verbracht haben, tat es gut mal wieder aus der Stadt raus zu kommen. Die erste Stunde der Fahrt war zwar noch ziemlich städtisch, doch dann lag plötzlich Paraguay vor mir:
Leicht hügeliges Land, viel Weide mit Rindern, teilweise Sumpfgebiete, dann wieder Strecken die fast ein bisschen an den Schwarzwald erinnern, nur dass die Tannen hier Palmen sind. Was mich ja besonders fasziniert hat, war die rote Erde die es hier gibt. Die sieht so fruchtbar aus, als würde hier alles von alleine wachsen.(Was es natürlich nicht tut. Ein bisschen muß man schon noch selber machen und genau das ist wohl das Problem des Paraguayers: er ist nicht sehr arbeitsam um nicht faul zu sagen.

An der Straße sind immer wieder kleine Ortschaften in denen sowohl Passagiere als auch fliegende Händler zusteigen, die dann alles nur erdenkliche im Bus verkaufen. Vom Schnitzelbrötchen über Getränke bis hin zu DVDs, Taschenlampen und Unterhosen. Und es ist egal wie voll der Bus ist. Selbst wenn der Gang voll mit Leuten steht – die Händler drücken sich durch. Beim nächsten Halt steigen sie dann wieder aus, dafür kommen neue rein. Das geht so über die komplette Distanz. Sehr witzig.

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Auf dem Cerro Lambaré

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Heute habe ich mal einen kleinen Ausflug allein gemacht. Natascha hatte ziemlich Kopfschmerzen und hatte in der Nacht auch etwas Fieber bekommen. Daher zog sie es vor zu Hause zu bleiben, um schnell wieder gesund zu werden. Vielleicht könnt ihr ihr ja alle gute Besserungswünsche als Kommentar hinterlassen, dann geht’s bestimmt schneller.

Jedenfalls bin ich von unserer Bleibe aus losgelaufen. Zum Cerro Lambaré. Ein Berg –  im Schwarzwald würde man es wohl ein Hügelchen nennen – von dem man eine nette Aussicht über Asunción und den Fluss Paraguay hat. Doch hier ist es immerhin die höchste Erhebung in und um Asuncion.

In etwa 25 Minuten hatte ich den Gipfel erreicht. Da ist ein Denkmal aufgestellt, das dem früheren Indianderhäuptling Casique Lambaré gewidmet ist.

Hier ist, was Wikipedia über den Cerro Lambaré sagt:

Cerro Lambaré: Asuncións höchste Erhebung liegt an der Stadtgrenze zwischen Asunción und Lambaré, 12 Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt. Von hier aus hat man einen ausschweifenden Blick über die Stadt. Auf der Spitze des Cerro Lambarés steht eine Stele. Um diese Stele herum waren der Cacique Lambaré, als auch Präsident Stroessner überlebensgroß verewigt. 1989, mit dem Sturz Stroessners, wurde auch seine Statue entfernt. Der Cerro Lambaré ist leicht zu erwandern, allerdings nur über die Zufahrtsstraße.

Der Weg nach oben war zwar nicht sonderlich weit, aber dennoch schweißtreibend, da:
1. die Steigung der Zufahrtsstrasse doch ganz ordentlich war und
2. die Außentemperatur mal wiedere satte 36°C betrug.

Doch der Aufstieg hat sich gelohnt, denn die Aussicht die man hatte, war wirklich sehr schön. Auch hier konnte man wieder feststellen, dass Asunción keine Hauptstadt mit großem Businesszentrum ist. Keine mächtige Skyline die sich hier erhebt. Es ist eher flachgehalten und wegen der vielen Bäume sieht man sogar kaum Dächer.

Der Weg zurück war nun weniger anstrengend. Und als ich dann mal so nach oben in die Bäume schaute, unter denen ich da hinabspazierte, sah ich, dass diese über und über mit Spinnennetzen bedeckt sind. Unendlich viele kunstvoll gewobene Netzte. Und die 8-beinigen Zeitgenossen, die darin saßen, waren so groß wie Untertassen.
Da war ich doch heil froh, dass die Tierchen alle ganz brav da geblieben sind wo sie hingehörten während ich nach Hause ging.

Alle BILDER vom Ausflug gibt’s HIER!

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Unterwegs in Asunción

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Ich hab es ja bereits erwähnt: der paraguayische Verkehr ist was ganz Besonderes. Jeder fährt wie er grade lustig ist. Geschwindigkeitslimits scheint es nicht zu geben.Verkehrsschilder gibt es eigentlich gar nicht. Wennman jemanden fragt, wie die Strasse heißt in der er wohnt, erntet man meistens nur ein Achselzucken, ist ja auch nicht so wichtig, denn Post kommt wohl auch keine.

  • Mittelstreifen auf der Strasse? Höchst selten. So passen dann auch schon mal drei Autos nebeneinander auf eine einspurige Strasse.
  • Was, die Ampel war rot? War da eine Ampel?
  • Oh nein, mein Auto muss in die Werkstatt, meine Hupe ist kaputt!

So, oder so ähnlich geht das hier ab.

Asunción hat den Ruf, die grünste Hauptstadt der Welt zu sein. Scheinbar zu recht, aber nicht, weil es hier besonders viele schön angelegte Parks gibt, sondern weil die Bäume und das Grünzeug hier einfach wachsen dürfen. Da kümmert man sich nicht sonderlich drum. Das Gute daran ist natürlich der Schatten, den all das Gewächs dann bietet.
Halt, kurze Korrektur: die Fikus Benjamini, die hier auch wie Unkraut wuchern, sind immer drollig zurechtgestutzt, das isses dann aber auch.

 

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